HTML5 ist ja eigentlich noch immer nicht in trockenen Tüchern. Dass Microsoft damit wirbt, der kommende Internet Explorer 10 sei “native HTML5″ ist eigentlich ziemlich witzig vor dem Hintergrund, dass HTML5 bis heute nicht fertig ist. Das neue HTML war eigentlich als Standard gedacht, der nie ganz abgeschlossen sein wird, sondern immer mal um neue Elemente erweitert werden soll.
Klingt unlogisch, war aber als Notlösung dafür gedacht, dass es sowieso allerlei verschiedene Browser am Markt gibt, die sich zwar zunehmend bemühen, Standards wirklich einzuhalten, im Zweifel aber immer ihr eigenes HTML mit geringen Abweichungen haben und vor allem: immer mal wieder eigene Ideen einbringen, die dann fließend in HTML5 Eingang finden können, ohne dass es einer neue HTML-Version bedarf. Es dauerte bisher Jahre, bis ein neues Element, das von einem Browser eingeführt wurde, auch in einen Standard einfloss – immerhin wird jetzt auch schon seit 5 Jahren an HTML5 gearbeitet.
Nun scheint das WWW-Konsortium von seinen ursprünglichen Plänen abgekommen zu sein und möchte HTML5 schließen und als fixen Standard festschreiben. Darauf deutet hin, dass sie jetzt doch ein “HTML6″ planen und dazu aufrufen, Vorschläge für neue Tags und Elemente einzureichen. Beispielsweise neue Elemente für Anreißertexte <teaser>, ein Tag für Ortsangaben,das <location> heißen könnte, fertige WYSIWYG-Editoren für Anwendungen wie WordPress, die mit einem einfachen <editor> eingebunden werden oder auch automatisches Syntax-Highlighting für Texte, die als <code> ausgegeben werden.
Allerdings wird sich dadurch gegenüber heute nicht wirklich etwas ändern: HTML6 kommt ja vielleicht so 2017 und bis dahin können viele Browser die oben genannten Dinge einfach von sich aus. Und Webdesigner und Programmierer werden weiterhin Workarounds programmieren für die eineinhalb Browser, die das dann trotz Standard noch immer nicht beherrschen, auch wenn das glücklicherweise kein Internet Explorer 6 mehr sein wird.
